Stell dir vor, dein KI-Agent hätte heute Morgen für dich eingekauft. Eine neue Kamera, 400 Euro, selbst ausgesucht, selbst bezahlt. Was ist dein erster Impuls?
Meiner: Ich will vorher draufschauen. Ich nutze KI ständig zum Recherchieren und Vergleichen. Beim Bezahlen höre ich auf. Das ist kein Technikproblem, das ist ein Gefühl. Und offenbar geht es nicht nur mir so.
Suchen ja, kaufen nein
Riskified hat Anfang 2026 rund 2.000 Menschen in den USA und Großbritannien befragt. Etwa 61 Prozent nutzen KI für Produktsuche und Empfehlungen. Und 55 Prozent wollen nicht, dass ein Agent für sie einkauft.
Eine Umfrage von ACI Worldwide und YouGov vom Juni 2026 zeigt dasselbe Muster: Nur 19 Prozent der Befragten in Großbritannien vertrauen einem KI-Assistenten, bei alltäglichen Käufen die Regeln einzuhalten. Einem menschlichen Experten vertrauen 55 Prozent. Die Hälfte traut der KI zu, den besten Preis zu finden, aber nur 17 Prozent, ihre Zahlungsdaten zu schützen. Und sechs von zehn würden einen Shopping-Agenten nach einem einzigen Fehler nicht mehr nutzen.
Menschen delegieren die Suche, nicht die Entscheidung.
Die Agenten können längst zehn Toaster vergleichen. Was fehlt, ist ein Grund zu glauben, dass jemand die Sache geraderückt, wenn etwas schiefgeht.
Wer haftet?
Bei Riskified wurde auch gefragt, wer verantwortlich ist, wenn ein KI-Kauf schiefgeht. Rund die Hälfte sieht die KI-Plattform in der Pflicht, gut ein Fünftel den Händler, weniger als ein Fünftel sich selbst.
Es gibt schon ein Urteil, das in dieselbe Richtung zeigt. 2024 entschied ein Tribunal in British Columbia gegen Air Canada. Der Chatbot der Fluglinie hatte einem Kunden nach einem Trauerfall fälschlich gesagt, er könne den Sondertarif auch nachträglich beantragen. Air Canada argumentierte im Kern, der Chatbot sei für sein Handeln selbst verantwortlich. Das Tribunal sah es anders: Der Bot ist Teil der Website, und die Firma haftet für das, was ihre Website sagt.
Der Betrag war klein. Die Aussage nicht: Wer einen Agenten für sich sprechen lässt, steht für ihn gerade.
Wo der Mensch entscheidet
Ich arbeite jeden Tag mit KI-Agenten und merke, dass ich mich genauso verhalte. Ich lasse sie entwerfen, recherchieren, sortieren und vorschlagen. Senden, veröffentlichen oder löschen dürfen sie nicht ohne mich. Mails gehen als Entwurf raus. Alles Öffentliche braucht mein Ja.
Auf derselben Konferenz sagte eine Speakerin einen Satz, der mir hängen geblieben ist: Die Frage ist nicht, wie autonom ein Agent sein soll, sondern wo er dich einbinden muss. Genau das verlangen Kund:innen gerade von Shopping-Agenten. Sie ziehen ihre eigenen Entscheidungsgrenzen.
Was ich daraus mitnehme
Ich glaube nicht, dass diese Lücke ewig bleibt. Die Umfragen stammen von Zahlungs- und Betrugsanbietern mit eigenem Interesse, und sie betreffen die USA und Großbritannien. Für Österreich oder Deutschland habe ich keine vergleichbaren Zahlen gefunden. Aber für den Moment heißt das, wenn du etwas verkaufst:
- Mach Verantwortung sichtbar. Wer steht dahinter? Was passiert bei einem Fehler? Wie erreiche ich einen Menschen?
- Bestätigungsmomente sind Vertrauen, kein Hindernis. Der Schritt, in dem jemand entscheidet, gehört zum Produkt.
- Bau nicht auf Verdacht alles für Agenten um. Kläre die Basis: ein Satz für dein Angebot, eine erreichbare Person, eine nachvollziehbare Spur.
Bauen ist billig geworden. Jemand zu sein, dem man vertraut, nicht.